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Atomare Abrüstung angemahnt

Foto: Dieter Junker
Seit vielen Jahren demonstriert die Friedensbewegung regelmäßig am Luftwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel gegen Atomwaffen.

Atomare Abrüstung angemahnt

Von: KNA | 13. August 2017
Kirchenvertreter haben die Bundesregierung aufgefordert, dem im Juli beschlossenen UN-Abkommen für ein Atomwaffenverbot beizutreten.

Zum Hiroshima-Gedenktag am 6. August betonte der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, in Bonn: „Auch wenn sich die Bundesregierung leider nicht an den Verhandlungen bei den Vereinten Nationen beteiligt hat, so würde Deutschland damit dennoch ein wichtiges Zeichen für eine so dringend nötige Ächtung dieser Massenvernichtungswaffen auch an die Atommächte setzen.“

Am 6. August 1945 hatte die US-Luftwaffe eine Atombombe über der japanischen Großstadt Hiroshima abgeworfen, drei Tage später eine zweite über Nagasaki. Schätzungen zufolge starben insgesamt mehr als 250 000 Menschen sofort oder teils Jahre später an Verbrennungen und Strahlenschäden.

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, erklärte am 4. August mit Blick auf das am 7. Juli von 122 Nationen in New York beschlossene UN-Abkommen: „Erstmals in der Geschichte seit den verheerenden Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki rückt damit eine Welt ohne die Bedrohung eines Atomkriegs oder atomarer Unfälle in greifbare Nähe.“

Ein Wermutstropfen sei aber, dass gerade die großen Atommächte „das Abkommen torpediert“ hätten und sich immer noch „hinter einer Sicherheitspolitik der nuklearen Abschreckung verschanzten“, erklärte der Wiener Kardinal. Die 122 Länder verpflichten sich in dem Abkommen, „nie, unter keinen Umständen“ Atomwaffen zu entwickeln, herzustellen, anzuschaffen, zu besitzen oder zu lagern.

Weltweit gibt es mehr als 16 000 Atomsprengköpfe

Der katholische Bischof von Fulda und Pax-Christi-Präsident Heinz Josef Algermissen nannte den UN-Vertrag einen großen Schritt zur Abschaffung der Massenvernichtungswaffen. Auch er forderte einen Beitritt Deutschlands. Der Bischof mahnte die verantwortlichen Politiker in Deutschland zudem, den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland zu beschließen.

Auch aus Sicht des EKD-Friedensbeauftragten Brahms ist es „an der Zeit, dass die letzten Atomwaffen in Deutschland auf dem Bundeswehrfliegerhorst in Büchel in der Eifel endlich abgezogen“ würden. Dieser Schritt sei „überfällig“. Brahms sprach sich gegen die geplante Modernisierung der US-Atomwaffen in Europa aus. Die Gefahr eines neuen atomaren Wettrüstens sei groß. Russland werde eine Modernisierung von US-Atomwaffen „nicht einfach hinnehmen“.

Derzeit gibt es weltweit mehr als 16 000 Atomsprengköpfe. Ihre Zerstörungsgewalt sei „900 000 Mal so groß wie die der Hiroshima-Bombe“, erklärte Helmut Scholz (Linke), Mitglied der UN-Arbeitsgruppe des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament.

Neue politische Initiativen für eine atomwaffenfreie Welt hat unterdessen die deutsche Kommission „Justitia et Pax“ gefordert. Zwar seien in den vergangenen Jahren viele Atomwaffen abgebaut worden; zugleich gebe es aber einen weltweiten Modernisierungsschub und die Entwicklung neuer Waffensysteme, schreibt der Siegener Friedensforscher Heinz-Günther Stobbe in einem am 1. August veröffentlichten Aufruf von „Justitia et Pax“ zur Bundestagswahl.

Auch die Kirchen sollten die Bundesregierung auffordern, ihre bisherige Zurückhaltung aufzugeben und sich dem Kampf für eine atomwaffenfreie Welt anzuschließen, betonte Stobbe (vgl. auch „Paulinus“ vom 16. Juli, Seite 1). Er bezeichnete es als einen „schwer verständlichen und auf Dauer nicht hinnehmbaren Widerspruch, dass biologische und chemische Massenvernichtungswaffen völkerrechtlich verboten sind, nicht aber die nuklearen Kampfmittel“.

Es sei auch schwer nachzuvollziehen, mit welchem Recht einige Staaten für sich das Recht beanspruchten, Atomwaffen zu besitzen, allen anderen Staaten aber dieses Recht verweigerten. Der atomare Status quo zementiere ein machtpolitisches Gefälle, das einen beständigen Faktor politischer und militärischer Instabilität darstelle.



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