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Der Fernseher fehlt  seit 25 Jahren nicht

Foto: Anneliese Schartz
Dorothee Schartz verzichtet auf das Fernsehen. Auch für ihre Tochter Birte ist das bisher kein Problem.

Der Fernseher fehlt seit 25 Jahren nicht

Von: Barbara Schartz | 29. Juni 2014
Meine Schwester hat einen Mann, zwei Kinder – und keinen Fernseher. Was sie aber trotzdem leidenschaftlich gerne liest, sind die Fernsehprogramme.

Als meine Schwester Dorothee noch bei den Eltern zuhause lebte, hatte sie zuletzt einen eigenen kleinen Fernseher in ihrem Zimmer. Und bis heute findet sie Fernsehen eigentlich nicht doof. Aber sie habe damals einfach zu viel blödes Zeug geguckt, das hätte schon einen Suchtfaktor gehabt, berichtet meine Schwester beim Familientreffen. Als sie für ihre erste Arbeitsstelle ausgezogen sei, habe sie den Fernseher einfach stehen lassen und ausprobieren wollen, ob und wie lange sie es auch ohne ihn aushält. Bei ihrem Patenonkel, bei dem Dorothee damals immer gerne gewesen sei, habe es ja auch keinen Fernseher gegeben und da habe der ihr nie gefehlt. Das ist jetzt fast 25 Jahre her. Der Fernseher fehlt ihr bis heute nicht.

Bewusster über die Zeit entscheiden

Wenn Bekannte hören, dass sie keinen Fernseher hat, würde sie häufig gefragt, was sie denn den ganzen Abend mache. Sie selbst fragt jedoch umgekehrt, wo sie die Zeit zum Fernsehen hernehmen sollte, denn Ihre Abende sind auch jetzt ausgefüllt. Meine Schwester liest gerne und viel. Wenn sie das Gelesene in Gespräche einbringt, wundern sich die anderen, dass sie als berufstätige Mutter die Zeit zum Lesen findet.

Was sie leidenschaftlich gerne lese, seien immer noch die Fernsehprogramme, berichtet sie lachend. Das scheint ihr auch deshalb Freude zu machen, weil es ihre Entscheidung gegen den Fernseher bestätigt. Denn es sei sehr selten, dass sie dabei etwas fände, das sie wirklich interessiere, erklärt sie. Bei den Spielfilmen fällt ihr auf, wie viele davon Wiederholungen sind, nicht selten sogar solche, die sie noch kennt.

TV-Sendungen gibt es häufig in Mediatheken

Wenn sie, was nicht oft vorkommt, ein Film wirklich interessiert, dann gibt es inzwischen ja das Internet. Viele Sender kann man online sehen. Außerdem haben die Sender häufig Mediatheken, in denen die Filme meist eine Woche lang abrufbar sind, was den großen Vorteil hat, dass man selbst bestimmen kann, wann man sich vor den Bildschirm setzt. Bevor es diese Möglichkeit gab, war ein besonders interessanter Film im Fernsehprogramm für Dorothee ein schöner Anlass, sich mit einer Freundin mit Fernseher zum Koch- und Fernsehabend zu verabreden.

Für Gespräch vor dem Kamin ist Zeit da

Und wie ist das mit der Familie meiner Schwester? Ehemann Ralf hatte einen Fernseher, bis die beiden vor 15 Jahren zusammenzogen. „Aber da war ich ja dann am Abend nicht mehr alleine, hatte eine Gesprächspartnerin. Ich habe den Fernseher beim Einzug in die gemeinsame Wohnung auf den Dachboden gestellt und mich ganz schnell daran gewöhnt, ohne zu leben. Wir sitzen statt vor dem Fernseher am Abend im Sommer auf der Terrasse und im Winter vor dem Kamin und haben Zeit für das Gespräch miteinander.“

Das Einzige, was er sich inzwischen öfter mal im Internet ansehe sei Fußball. Den Rest hält er in großen Teilen für „Schrott“. Und was ist mit den vielen guten Reportagen und anspruchsvollen Filmen auf den Sendern, die der Schwiegervater immer lobt? Darauf wissen beide sofort die Antwort: „Wir können doch sowieso nicht alles wahrnehmen, was uns interessiert. Weder können wir alles lesen, noch können wir alles ansehen, was interessant ist. Keinen Fernseher zu haben entlastet da regelrecht.“

Was wichtig sei, komme ausführlicher als in den Fernsehnachrichten in der Zeitung vor, sagt der Mann meiner Schwester. Und selbst über das weniger Wichtige wissen sie Bescheid: Über aktuelle Entwicklungen in populären Fernsehshows können sie durchaus in einem Gespräch mithalten. „Selbst bei so etwas, was mich eigentlich gar nicht interessiert, bin ich durch die Zeitungslektüre auf dem Laufenden, ohne meine Zeit vor dem Bildschirm verschwenden zu müssen“, sagt Dorothee.

Für Kinder ist es normal, keinen Fernseher zu haben

„Wir gucken schon manchmal gerne einen Film“, sagen die Kinder. Internet und DVD machen das ja möglich, aber „für uns ist das normal, dass wir keinen Fernseher haben.“ Tom (zwölf Jahre) und Birte (zehn Jahre) glauben, dass alle Klassenkameraden zuhause Fernseher haben. Die beiden Nachbarkinder, mit denen sie oft spielen, kommen aber ebenfalls aus einem Haushalt ohne Fernseher. Das macht es sicherlich leichter, als normal zu empfinden, was ansonsten eher die Ausnahme ist.

Auch dass Birte im Waldkindergarten war und Tom bei den Pfadfindern, trägt sicherlich dazu dabei, dass die Kinder wie ihre Eltern eigentlich keine Zeit zum Fernsehen haben. Damit die Kinder sich nicht ausgeschlossen fühlen, wenn in der Schule von Fernsehfiguren die Rede ist, haben die Eltern sie bewusst die ein oder andere Sendung ansehen lassen. „Wir hatten mal zur Hausaufgabe, in unserer Lieblingssendung die Werbeunterbrechungen zu zählen“, berichtet Tom stolz, „ich musste die dann nicht machen, als ich dem Lehrer sagte, dass wir keinen Fernseher haben“. Bisher ist die Entscheidung der Eltern also kein Problem für die Kinder.

Zum Geburtstag ein Beamer für die Filmnacht

Anders liegt das bei der 15-jährigen Cousine, deren Familie bis vor kurzem ebenfalls keinen Fernseher hatte. Die hätte gerne wie ihre Freundinnen am Geburtstag zu einer Filmnacht eingeladen. Sie fand es traurig, dass das bei ihr zuhause nicht möglich war, denn der Laptopbildschirm ist zu klein für Fernsehen mit einer Clique. Aber auch hier hat Tante Dorothee eine Lösung: Ihr Nachbar hat zu diesem Zweck einen Beamer besorgt und ein Bettlaken an die Wand gehängt, so dass die lange Filmnacht zuhause sogar Kinoflair bekam.



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An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


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